Abwasserrohrsanierung in Gebäuden

Moderne Strangsanierung

Anforderungen an die innerhäusliche Rohrinnensanierung

Bei der Sanierung von innerhäuslichen Abwasserleitungen kommen laut dem Rohrleitungssanierungsverband (RSV) e.V. vor allem zwei Verfahrensweisen zum Einsatz: das Schlauchlining und das Lining mit aufgetragenem Polymaterial. Beim Schlauchlining wird ein harzgetränkter Kunststoffschlauch in das Rohr gebracht und in unterschiedlicher Weise (Wärme, Luft, UV Licht) ausgehärtet. Beim Lining mit aufgetragenem Polymaterial wiederum wird der Kunststoff flüssig mit Hilfe eines Sprüh-Schleuderverfahrens an die Rohrinnenwand in mehreren Schichten aufgetragen.

Bei beiden Verfahren entsteht ein sogenanntes neues Rohr im alten Rohr. Beide Systeme müssen auch bestimmten Anforderungen nach der Sanierung von innerhäuslichen Abwasserrohren genügen. Daher haben die Systemanbieter die Nachweise für folgende Punkte zu erbringen:

Dichtheit, Betriebssicherheit und statische Tragfähigkeit

Mit Dichtheit ist gemeint, dass das neue Rohr ein in sich geschlossenes System darstellt bzw. mit dem angrenzenden nicht saniertem Altrohr ein wasserdichtes Leitungssystem bildet. Undichtigkeiten können ansonsten dazu führen, dass die neuen Rohre hinterläufig würden und Abwasser über diese Schwachstelle weiterhin aus dem Rohrsystem entweichen kann. Die Betriebssicherheit gewährleistet, dass das Abwasser ohne Behinderungen in die Kanäle über die sanierten Abwasserrohre geleitet wird, also die sanierten Abflussrohre eben genau das sicherstellen, wozu die Altrohre einst installiert wurden. Damit das sanierte Abwasserrohr vor allem bei vertikalen Fallleitungen nicht in sich zusammenfällt oder sich von der Wandung löst und nach unten rutscht, muss die statische Tragfähigkeit des Neurohrs gegeben sein.

Umweltbeständigkeit

Rohrmaterialien stehen in ihren gesamten Lebenszyklus – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung – in Wechselwirkung mit der Umwelt (Wasser, Boden, Luft). Dabei sind sie Umwelteinflüssen ausgesetzt, die sich langfristig auf die Materialeigenschaften auswirken können.  Anders gesagt: Sie altern. Insbesondere Kunststoffe bleichen aus oder werden spröde. Um die neue Rohre nicht wieder in wenigen Jahren sanieren zu müssen, sollten diese gut umweltbeständig sein.

Medienbeständigkeit

Im Abwasser enthalten sind oftmals auch aggressivere Stoffe, wie beispielsweise Putz- oder Waschmittel, die über die Abwasserrohrsystem entsorgt werden. Der pH Wert kann hier zwischen pH 2 und pH 12 schwanken. Das neue Rohr im Rohr muss auch diesen Belastungen standhalten und darf weder weitere chemische Reaktionen im Abwassersystem auslösen noch selber in seiner Funktionalität beeinträchtigt werden.

Brandverhalten

Bei einem Brand sind Schächte, die Abwasser-, Trinkwasser- oder Stromleitungen von Etage zu Etage bringen, oftmals eine Schwachstelle, die dazu führt, dass sich Brände im Haus schneller ausbreiten können. Daher müssen Sicherheitsinstallationen nach Vorgaben eingebaut werden. Zusätzlich müssen die Leitungen eine gewisse Zeit einem Brand standhalten. SML Rohre sind hier für ihre hohen Brandschutzeigenschaften bekannt. Werden diese Rohre nun mit einem neuen Rohr im Rohr saniert, dient deren Außenhülle weiterhin dem Brandschutz. Das Material, welches zum Sanieren eingesetzt wird, sollte dennoch keinen zusätzlichen Risikofaktor darzustellen. Der Standard hier ist der Einsatz von Werkstoffen mit mindestens einer Brennbarkeitsklasse 2 (normal entflammbar). Diese Klasse müssen alle Baustoffe, die in Gebäuden verwendet werden, nach DIN 4102 mindestens erfüllen.

Temperaturwechselbeständigkeit

Das neue Material in den alten Abflussrohren muss wechselnden Temperaturen standhalten. Wird in einer Etage gerade das Kartoffelkochwasser (ca. 95°C) in den Abfluss entleert und in der nächsten Wohnung kaltes Schmutzwasser (ca. 10°C) entsorgt, muss das Rohrmaterial im Strang, wo beide Abwässer hindurch müssen, sich ausdehnen und zusammenziehen können ohne Risse oder andere Strukturschäden davonzutragen.

Abriebfestigkeiten

Bei den unterschiedlichen Abwässern des Alltags - und wir wissen alle, dass dort manches hingeschüttet und geworfen wird, was nicht hineingehört - muss die Oberfläche der neuen Abwasserrohre stoßfest und abriebfest sein, dassnicht mit der nächsten Spülung Teile dieser abgetragen werden. Das kann zu Verstopfungen führen und die Schichtdicke des Rohrmaterials auf Dauer verringern.

Reinigungsbeständigkeit

Eine regelmäßige Rohrreinigung gehört zum Wartungsplan eines jeden Gebäudes. In den WC-Strängen kann es u.a. zur Bildung von Urinstein kommen, welchem mit einer Wasser-Hochdruckreinigung nur schwer beizukommen ist. Hier muss mit rotieren Reinigungsketten oder Rohrfräsen gearbeitet werden, um den Rohrdurchmesser wieder herzustellen. Das neue Rohr im Rohr muss auch solchen Prozeduren ohne größeren Schäden widerstehen können.

 

Kaum zu glauben, auf was man alles bei einer Abwasserrohrsanierung achten muss. Daher überlassen Sie diese Aufgabe am besten nur Profis, dann klappt’s auch mit der Rohrsanierung- und dies ohne Dreck und Lärm.

Quellen:

RSV, 2019: Merkblatt 7.3. Sanierung innerhalb von Gebäuden mit vor Ort härtenden reaktionsharzbasierten Systemen

Susanne Leddig-Bahls, 2019: Sanierung von Rohrleitungen innerhalb von Gebäuden. Vortrag auf der RoKaTech Kassel 08.05.2019.

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